A Juggler’s Tale im Test (PC): Lauf Püppchen, lauf

von Marco Mainz
A Juggler's Tale Poster

A Juggler’s Tale ist eine Koproduktion des Ludwigsburger Studios »Kaleidoscube« und dem Publisher »Mixtvision Games«, welche die märchenhafte Geschichte vom Ausbruch der Puppe Abby erzählt.

A Juggler’s Tale erzählt die Geschichte von Abby, einer Zirkuskünstlerin, die wie alle Menschen in ihrer Welt an Marionettenfäden hängt. Eines Tages beschließt sie, der Gefangenschaft im Zirkus und den immer gleichen Kunststückchen zu entfliehen und sich auf ihre eigene Reise zu begeben.

 
Allerdings ist die Welt ihr nicht wohlgesonnen. Nicht nur Wind und Wetter stellen unberechenbare Gefahren dar, auch hungrige Tiere und bösartige Menschen wollen Abby daran hindern, ihren Weg zu gehen.

Der Zirkusdirektor setzt alles daran, seine Artistin zurückzubekommen und hetzt ihr eine Schar Banditen auf den Hals, gegen die Abby sich immer wieder zur Wehr setzen muss. Dabei muss sie stets darauf achten, dass ihre Fäden ihr nicht im Weg sind.

Gib acht, kleine Abby, dass du nicht hängen bleibst!

Grundsätzlich ist A Juggler’s Tale ein klassischer Puzzle-Plattformer. Abby muss Hindernisse überwinden, indem sie Hebel betätigt oder Kisten schiebt, aber sie muss auch Gegner durch das Werfen von Gegenständen ablenken oder sie in eine Falle locken.

Dafür steht uns eine Taste zur Verfügung, die für jegliche Interaktion sorgt. Des Weiteren brauchen wir nur die Richtungstasten, sodass die Steuerung sich bequem und intuitiv anfühlt. Gekurbelt wird, indem wir die Richtungstasten im Uhrzeigersinn des Kurbelns betätigen, so integriert uns die Steuerung direkt und schafft so eine zusätzliche immersive Komponente.

 
Abby passt ihr Tempo von alleine an die Situation an, wir müssen nur vorwärts laufen, springen oder eben interagieren. Dabei können wir stets nur vor- oder zurückgehen, trotz der dreidimensionalen Landschaften bewegt die Puppe sich entlang einer Linie.

A Juggler's Tale Abby

Abby hängt, wie alle anderen Figuren in der Spielwelt an Fäden. | Bildquelle: eigener Screenshot

Abbys Geschichte ist wie ein Theaterstück in Akte unterteilt, zwischen denen sich ganz klassisch ein roter Vorhang schließt. Nur in diesen Momenten wird die Szenerie zur Bühne und der Wald zu einer Ansammlung bemalter Pappmodellen, um so an ein Puppentheater zu erinnern.

Im restlichen Spiel sind die Hintergründe dreidimensional und detailliert modelliert. Trotz des malerischen Charakters sorgen eine passende Beleuchtung sowie fantastische, detaillierte Panoramen für einen realistischen Landschaftseindruck.

 
Und Abby durchwandelt viele verschiedene Hintergründe, die alle perfekt in Szene gesetzt sind: Ein Kornfeld leuchtet im warmen Orange der untergehenden Sonne, ein Wald flackert in der grellen Beleuchtung gelegentlicher Blitze, ein aufgewühltes Meer strudelt unter einem sturmverhangenen Himmel. Optisch ist das Abenteuer der kleinen Marionette zu jedem Zeitpunkt ein Fest.

A Juggler's Tale Landschaft

Die Landschaft von A Juggler’s Tale ist stellenweise phänomenal. | Bildquelle: eigener Screenshot

Es ergreift uns der Wunsch, das Tanzbein zu schwingen

Aber auch die Ohren kommen nicht zu kurz. Abby wird stets von flotter Musik begleitet, die dank mittelalterlicher Einschläge entfernt an Zirkusmusik erinnert. Je nach Tempo des Gameplays wird diese Musik aber auch düster oder melancholisch. Viel prägender ist allerdings der reimende Erzähler.

Das Indie Game  ist eine deutsche Produktion, das Entwicklerstudio Kaleidoscope sitzt in Ludwigsburg, entsprechend hat es auch eine exzellente deutsche Vertonung. Schauspieler und Synchronsprecher David Steffen leiht er dem Puppenspieler seine Stimme, der Abby mit gutmütigem Tadel und kleinen Tipps fest in der Hand hat.

Er war es, der die Geschichte erst auf den Weg bringt und sie nun in Reimform einem imaginären Publikum erzählt. Und falls wir einmal stecken bleiben, hat er hilfreiche Hinweise parat.

Das Adventure hat im Jahr 2017 als studentisches Projekt an der Filmakademie Baden-Württemberg begonnen und ist seither stetig gewachsen. Das Kern-Team von drei Leuten hat sogar eine Auszeit vom Studieren genommen, um Kaleidoscube zu gründen und sich so ganz auf die Game-Entwicklung konzentrieren zu können.

A Juggler's Tale Schiff

Die Reise wird mitunter sehr gefährlich. | Bildquelle: eigener Screenshot

A Juggler’s Tale ist ihr erster großer Titel, darum kam mit dem deutschen Publisher Mixtvision (Minute Of Islands) dann auch Marketing-Kompetenz an Bord.

Schon unveröffentlicht hat es einige Auszeichnungen eingeheimst, darunter einige Preise beim Game Connection Europe 2019 und den »Newcomer Prototype« beim Deutschen Computerspielpreis 2019.

Fazit

Abbys Geschichte ist fröhlich und düster zugleich. Im Zentrum stehe Themen wie persönliche Freiheit und Selbstbestimmung, denen Abby gleich mehrfach beraubt ist. Sie steht als Symbol für Kinder, deren Schicksal vorbestimmt scheint. Doch Abby gibt nicht auf und läuft auch in den verzweifeltesten Momenten weiter.

Viel kann man diesem modernen Märchen nicht vorwerfen, höchstens, dass die Puzzles kaum anspruchsvoll sind. Das dürfte Fans von Plattformern aber kaum stören. Auch die Steuerung ist in hektischen Momenten nicht immer verlässlich präzise. Das hält dank des automatischen Speicherns aber nicht wesentlich auf, wer sich mal vertut, darf die Szene direkt von neuem versuchen.

Mit einer Länge von ca. zwei Stunden ist es ein gut verdauliches Häppchen, dessen Bildgewalt und nachdrückliche Botschaft und nachhaltig im Gedächtnis bleiben werden.

Für Freundinnen und Freunden von gutem Storytelling und Liebhaberinnen und Liebhabern eines allumfassenden Spielerlebnisses sprechen wir eine Empfehlung aus.

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